Unbeschreibiche Wildheit: Die Hunnen

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Unbeschreibiche Wildheit: Die Hunnen

Beitrag  Magiccircle am Fr März 16, 2012 12:07 am

Für die einen kamen sie aus dem Nichts,für die anderen geradewegs aus der Hölle:
Der Eifall der Hunnen ins Europa des 4. Jahrhunderts löste Angst und Schrecken aus und die grmanische Völkerwanderung, mit der eine neue Zeit anbrach.

>Sie sind abstoßend häßlich und widerwärtig,wie zweibeinige wilde Tiere<,schrieb der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus. Er fuhr in seinem Bericht fort: >Obwohl sie Menschengestalt haben,sind sie durch ihre Lebensweise so abgehärtet,daß sie kein Feuer und keine gewürzten Speisen benötigen. Sie leben von wilden Kräutern und dem halbrohen Fleisch,das sie zwischen Schenkeln und Pferderücken legen und erwärmen<
Und Sidorius Apollinaris, der Bischof von Clermont, berichtet über die >Teufelsplage< aus dem Osten: >Sogar die Gesichter ihrer männlichen Neugeborenen sind grauenhaft. Der Nase Doppelröhre darf nicht über die Gesichtsfläche hinauswachsen, die zarten Nasenlöcher werden mit einer Binde umwickelt, damit sie unter das Helmvisier passen<.
Diese und andere zahllose Horrorgeschichten verbreiten sich in Windeseile über den ganzen Kontinent, als die Hunnen 375 n. Chr. zum Generalangriff gegen Europa antraten. Der furchtbare Ruf der >Geißeln Gottes< hat bis in neuere Zeit nachgewirkt. So verlangte im Sommer 1900 Kaiser Wilhelm II bei der Verabschiedung eines Expeditionskorps nach China zur Niederschlagung des sogenannten >Boxeraufstands<,dass die deutschen Soldaten wie einst die Hunnen ohne Pardon kämpfen sollten. Die Rede prägte das >Bild vom hässlichen Deutschen<,so daß noch im Ersten Weltkrieg die britische Propaganda von Deutschen als >the huns< sprach,um die Kampfmoral der Truppen anzustacheln.
Woher kamen nun diese "hunnischen Horden"? Natürlich nicht aus dem Nichts. Die Hunnen gehörten zu den Reitervölkern der eurasischen Graslandzone. Die wenigen archäologischen Funde und schriftlichen Quellen lassen vermuten, daß die Hunnen ihren Ursprung im Volk der Xiongnu haben, deren Heimat wohl in West-Turkestan,also jener weiten Wüsten und Steppenregion am Westrand Chinas. Daß aber zwischen den chinesischen "Xiongnu" sowie dem lateinischen Namen "Chunni" und den Hunnen zumindest eineetymologische Beziehung besteht, wird von der forschung für sehr wahrscheinlich gehalten.
Mao-Tun, der bedeutendste Xiognu-Herrscher, errichtete zwischen 209 und 174 v. Chr ein Großreich, das für die Kaiser der chinesischen Han-Dynastie in der Folgezeit eine stete Bedrohung darstellte. Um 50 v. Chr kam es aufgrund Zerwürfnisse zu einer Spaltung des Xiungnu-Volks: Der südliche Teil integrierte sich zunehmend in die politische und kulturelle Sphäre Chinas. Die nördlichen Xiungnu kämpften hingegen weiter, bis sie im Zug der chinesischen Expansion nach Zentralasien Ende des 1. Jahrh. n. Chr. mehrfach schwere Niederlagen erleiden mussten.
Die Reste der nördlichen Xiungnu zogen im Lauf des 2. Jahrh. n. Chr. Richtung Westen ab und verschwanden damit aus dem chinesischen Blickfeld. Im ausgehenden 4. Jahrh. n. Chr. tauchen Hunnenstämme im nordlichen Schwarzmeer- und im Donauraum auf, die ersten >europäischen Hunnen<. Damit gerieten die Reiternomaden erstmals in die Sphären des spätantiken Römerreichs, das in ihnen geradezu apokalyptische Vorboten des nahenden Weltuntergangs sah. Für die Römer schienen die Hunnen auf ihren Pferden zu leben, ja mit ihnen verwachsen zu sein. In der Tat, die Pferde waren für die Hunnen alles. Mit ihrer Ausdauer,Schnelligkeit und Wendigkeit stellten sie einen unschätzbaren militärischen Wert dar
Und mit denen auf ihnen sitzenden Bogenschützen mit ihrer traumhaften Trefferquote galten die Steppenreiter geradezu als unschlagbar. Zudem dienten die Tiere als lebenswichtige, jederzeit verfügbare Milch- oder Fleischquelle. Der römische "Hunnenexperte" Ammianus Marcellinus sieht in der Wanderung der Hunnen nach Osteuropa und ihrer "unbeschreiblichen Wildheit" die >Saat des Verbrechens< und den >Ursprung der verschiedenen Katastrophen<,die das römische Reich in der Folge heimsuchte.
Wie Marcellinus gingen auch andere antike Autoren davon aus, daß die Hunnen aus einem einzigen homogenen Volksstamm bestanden. Dem war jedoch nicht so. Als die als "Hunnen" bezeichneten Reitervölker die Grenzen des römischen Reichs erreichten,hatten sie schon eine Vielzahl von kleineren und größeren Ethnien in sich "aufgesogen".
Das erkannte als erster der französische Orientalist Joseph de Guignes, der Verfasser der ersten umfassenden Mongrafie der Neuzeit über die Hunnen: so trug das erste mit dem Band 1796 erschienene Werk denn auch den Titel: >Große Geschichte der Hunnen,Türken,Mongolen und der anderen westlichen Tartaren<.
Um 370 n. Chr. erreichte die Römer erste Kunde vom Westfeldzug der Hunnen. Hatten sie doch gerade erst die Alanen besiegt, jenes tapfere iranische Nomadenvolk, das in Südrußland östlich des Don lebte und deren Einfälle den Römern schon wiederholt zu schaffen gemacht hatten.
Dann setzten die Hunnen zum Sturm gegen die Ostgoten an, ein gewaltiges Königreich, das sich von den Pripjetsümpfen nach Süden bis zum Schwarzen Meer und westlich des Don bis zum Dnjestr erstreckte. Obwohl den Hunnen haarsträubende Berichte über ihre Grausamkeit vorausgeeilt waren, sammelte der besagte Ostgotenkönig Ermanerich unerschrocken seine Krieger um sich. Doch 375 n. Chr. waren die Ostgoten vom Hunnenführer Balamber besiegt. Ermanerich beginng Selbstmord, einige seiner Untertanen flohen zu ihren Stammesbrüdern, den Westgoten; der weitaus größte Teil aber unterwarf sich den Angreifern.
Dann brachen die Hunnen über die Westgoten herein. Sie überquerten in einer Mondnacht den Dnjestr und überrumpelten die Truppen des Westgotenführers Athanarich von hinten. In wilder Flucht zogen sich einige Krieger in die Ausläufer der Karpaten zurück. Doch 200000 Westgoten - Männer,Frauen und Kinder - baten anno 376 n. Chr. um Aufnahme in das Imperium Romanum. Valens,Mitkaiser und Befehlshaber über den östlichen Reichsteil,wies ihnen Gebiete in Mösien,dem heutigen Bulgarien zu.
Unter den Königen Ruga und Oktar dehnten die Hunnen ihr Herrschaftsgebiet bis nach Panonien aus. 424 n. Chr. verlegt König Ruga den Hauptsitz seines Reichs in die östliche Theißebene im heutigen Ungarn. Zehn Jahre später übernahmen die Brüder Attila und Bleda die Macht. 445 n. Chr ließ Attila (gotisch: >Väterchen<) den Bruder umbringen und erlangte so die Alleinherrschaft und wurde zum berühmtesten - und auch berüchtigsten Anführer der Hunnen. In der Nibelungensage lebt er als König Etzel bis heute fort.
Das >Väterchen< wird von dem gotischen Chronisten Jordanes in seiner >Gotengeschichte< so beschrieben: >Er war ein Mann,dazu geschaffen,die Welt zu erschüttern. Der Schrecken aller Länder,der auf eine unerklärliche Weise alles in Furcht setzte durch den furchtbaren Ruf,der über ihn verbreitet war. Stolz schritt er einher und ließ nach allen Seiten die Augen schweifen,damit die Macht,die der hochmütige Mensch innehatte,auch in seiner Körperbewegung sich zeigte. Der Liebhaber der Kriege war klein von Gestalt,breitschultrig,dickköpfig,hatte kleine Augen,spärliches Barthaar,eine platte Nase und war von dunkler Hautfarbe.<
In seinemZorn schrecklich galt Attila andererseits als gerechter Richter und verhielt sich Feinden gegenüber großmütig - wenn sie sich ihm unterwarfen. Als Sohn der Steppe glaubte er an die Vorhersagen seiner Schamane,schätzte aber zugleich die griechisch-römische Kultur und umgab sich mit hellenischen,römischen und germanischen Schreibern und Dienern. Das widerspricht dem landläufigen Bild eines brutalen Barbaren.
Unter der Herrschaft Attilas rissen die Kriege mit den Römern nicht ab. Aber die Hunnen kämpften manchmal auch als Verbündete Roms gegen deren Feinde,so gemeinsam mit dem weströmischen Reichsfeldherrn Aetius gegen die Westgoten und Burgunder in Gallien.
Ein paar Worte noch zu dem römischen Heerführer Aetius. Dieser hatte schon seine Jugend als Geisel bei den Hunnen verbracht. Durch einen der zahlreichen Geiselaustausche kam auch Aetius wieder frei. Hierzu meint der Hunnenexperte und Archäologe Michael Schauder: >Der Geiselaustausch war eine gängige Praxis zwischen den Römern und an deren Grenzen lebenden Völkern. Es ging dabei darum,Bündnisse zu erhalten und Kriege zu verhindern. Man muß sich vor allem von der Vorstellung lösen, daß die Geiseln als Gefangene in die Kerker gesteckt wurden.<
Aetius etwa genoss bei den Hunnen viele Privilegien. Er konnte Kontakte knüpfen,Kriegsstrategie erlernen und wurde auch mit der hochstehenden Waffentechnik seiner >Gastgeber< vertraut gemacht. Aetius ließ die Beziehungen zu den Hunnen denn auch nie abreißen.
Um 440 nach Christus fielen die Hunnen in die südlich der Donau gelegenen oströmischen Provinzen ein. Im Friedensschluß 443 n. Chr. gestand Theodosius II. den Hunnen Weideland zu und mußte sich ferner zur Zahlung einer einmaligen Summe von 6000 Pfund Gold, sowie zu weiteren jährlich zu entrichtenden 2100 Pfund verpflichten. Trotz dieser Tributzahlungen kam es in den folgenden Jahren zu groß angelegten Angriffen der Hunnen. Um Attila von den Überfällen abzubringen, schickten Rom und Byzanz mehrmals Gesandtschaften an seinen Hof in der Theißebene, lag dort doch das Zentrum der Macht - von Ungarn bis zum Schwarzen Meer.
Der byzantinische Diplomat Priskos schilderte Attilas Resuenz als typisches Lager eines Steppenfürsten. Auf einer kleinen Erhebung stand der aus sorgfältig geglätteten Brettern errichtete Holzpalast des Königs, den eine Palisade sowie Wachtürme umgaben. Es gab nur ein einziges Gebäude aus Stein - ein römisches Badehaus, das römische Gefangene für Attila errichtet hatten. Die Pracht des hunnischen Hofes offenbarte sich erst bei den abendlichen üppigen Gelagen, bei denen der Herrscher aller Hunnen auf einer Kline, einem römischen Ruhebett ruhte. Während die gesandten von silbernen Tellern aßen und aus goldenen Bechern tranken, verwandte Attila hölzernes Geschirr.
451 rüstete Attila zu einem Feldzug, um Gallien zu erobern. Anlass der Kriegsoperation war eine >Frauengeschichte<. Angefangen hatte es mit einer von Honoria, einer Schwester des weströmischen Kaisers Valentinian III. an Attila ausgesandten Nachricht. Honoria wehrte sich damit gegen eine für sie arrangierte Ehe und übermittelte Attila einen unverhohlenen Heiratsantrag. Als Mitgift verspach sie ihm Teile des Weströmischen Reichs. Zum Beweis der Echtheit ihrer Botschaft gab sie dem kaiserlichen Boten einen ihr gehörenden Ring mit. Doch das Vorhaben wurde an ihren Bruder verraten, der diese angebotene Verbindung entsetzt zurückwies: Ein >Wilder< als römischer Herrscher, unmöglich. Hierauf setzte der tief beleidigte Attila seine Truppen in Marsch.
Das hunnische Heer dem auch Germanen angehörten, überschritt den Rhein, eroberte Metz und brannte es nieder. Danach belagerte attila Orleáns. Zur Abwehr der Hunnen hatte sich unter dem Oberbefehl des Aêtius eine Streitmacht aus römischen, westgotischen und burgundischen Kriegern zusammengefunden. Auf den Katalaunischen Feldern gut 210 Kilometer südöstlich von Paris, kam es im Spätsommer 451 n. Chr. zu einem der berühmtesten Waffengänge der Geschichte. >Es war ein schreckliches, maßloses und erbittertes Ringen<, berichtet Jordanes. Das Gemetzel dauerte den ganzen Tag. Als die Schlacht geschlagen war, stand der Sieger zunächst gar nicht fest, doch Attila verließ die Kriegsstätte und zug sich über den Rhein zurück. Was ihm aber nur ermöglicht wurde, da Aêtius die Hunnen entkommen ließ um sich nicht in die Abhängigkeit der Westgoten zu begeben, so seine Begründung. Vielleicht waren es aber auch sentimentale Gründe, die ihn dazu bewogen, Attila entkommen zu lassen. Jedenfalls: Der Hunnen Heerführer hatte seine erste einzige Niederlage erlitten.
Attila floh dann weiter nach Ungarn um zu überwintern. Doch schon im kommenden Frühjahr marschiert er mit einem neu aufgestellten Heer in Norditalien ein, wo seine Krieger das Land verheerten und mehrere große Städte plünderten, darunter Mailand. Mit reicher Beute schlug er im dortigen Kaiserpalast seine Residenz auf.
Dorthin entsandte nun Papst Leo I. eine Gemeinschaft um ihn von Weiterziehen gen Rom abzuhalten. Und Attila verließ tarsächlich Italien, doch nicht der Heilige Vater hatte ihn davon abgebracht, sondern der hohe Krankenstand seiner Kämpfer, die von Seuchen aller Art, darunter Malaria schwer gezeichnet waren. Dazu kam eine Nahrungsmittelknappheit, die Attilas Soldaten durch ihre Verwüstungen zum Teil selbst erzeugt hatten.
Kurz nach seiner Rückkehr starb Attila 453 n. Chr. - in der Hochzeitsnacht mit einer Germanenprinzessin namens Ildikó. Der hunnische Hof vermeldete als Todesursache einen Blutsturz des Bräutgams, doch nie verstummten die Gerüchte, die Braut hätte den ihr Angetrauten im Auftrag Westroms vergiftet.
Mit dem Tod Attilas begann fast schlagartig der Zerfall seines Reichs. Es kam zu inneren Unruhen und Bürgerkriegen zwischen den Söhnen des teuren Toten. Die zahlreichen Völker, die unter der Knute Attilas standen, kämpften nun gegeneinander: Jordanes:>Man sah den mit Spießen kämpfenden Goten. den mit dem Schwert wütenden Gepiden, den Rugier der die Waffe in seiner Wunde zerbricht, den flinken Sueben, den Hunnen, der sich mit dem Bogen hervortut, den Alanen, der in schwerer Rüstung kämpft, den Heruler, der mit leichter Bewaffnung in die Schlacht zieht.<
469 n. Chr. besiegten dann die Byzantiner das Heer des letzten Hunnenkönigs Dengizich. Seinen abgeschlagenen Kopf stellten die Sieger im Zirkus zu Konstantinopel aller Welt zur Schau. Damit endete eine Generation nach Attila die Geschichte der Hunnen.
Doch, so der britische Historiker Thomas S. Burns, >daß die Hunnen einfach von der hiostorischen Landkarte verschwanden, ist nicht richtig. Sie existierten nur nicht mehr als Macht, weil sie ihre Einheit verloren hatten.
Die Reste des Hunnenvolks gingen wohl in anderen aus den Witen Asiens vordringenden Nomadenvölker auf. Ein viel kolportierter Mythos hingegen besagt, daß sich die Reste der Hunnenschar dorthin wieder zurückgezogen hatten, woher sie gekommen waren, nach Osten. Da entsteht vor dem geistigen Auge eine Abschiedsszene wie aus kitschigen Cowboyfilmen: Die letzten stolzen Steppenkrieger reiten dem Sonnenaufgang entgegen. . .


Zuletzt von Magiccircle am Di Apr 10, 2012 10:01 pm bearbeitet; insgesamt 14-mal bearbeitet

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Quelle zu den Recherchen ist ein mir sehr wichtiges Magazin mit Namen Geschichte: Menschen,Ereignisse,Epochen

Beitrag  Magiccircle am Fr März 16, 2012 12:18 am

Ich hoffe das was ich hier so nach und nach schreibe, kommt gut bei Euch an, wer sich auch für das Magazin interessiert um es sein Eigen zu nennen, möge sich doch einfach bei mir melden, in dem Sinne wünsche wie auch in der Com im Jappy viel spass beim lesen, und ihr könnt mich ja wissen lassen, ob ihr das Theme gern weiter verfolgen wollt, ist ein längeres Projekt mit vielen neuen Erkenntnissen.

mfg Magiccircle

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