13. Bruchstücke und Einzelstrophen

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13. Bruchstücke und Einzelstrophen

Beitrag  Magiccircle am Mo März 26, 2012 8:31 pm

Auf verschiene Art sind uns mythische Gesätze überliefert,die teils aus großen Einheiten stammen,teils für sich gelebt haben. Die prachtvollen Verse Thors A1 fassen einen bewegten Augenblick in bildhafte Ansprache,ähnlich wie Skirnirs Worte an sein Roß. Nr. 8 Str. 10. Danach könnte man auf ein neues Redelied raten. Die zweite Thorstrophe ist vielmehr ein Rückblick und gemahnt an Stellen im Harbardliede Nr. 10,etwa Str. 19. 29.
>Lose Strophen< nicht reste gesclossener Lieder,sind die Stücke B - D. Eine Perle ist das kleine Zwiegespräch der ungleichen Gattem mit seinem lebhaften Naturgefühl und der sinnigen Zeichnung des Gegensatzes; ein Ehedrama im Keime,wie man es genannt hat

Heusler


A. Zwei Thorstrophen
Auf der Fahrt zu dem Riesen Geirröd stapfte Thor durch den Strom Wimur,den gößten aller Ströme. Er hatte sich gegürtet mit dem Kraftgürtel und stemmte den Stab stromabwärts.
Und als er in die Mitte kam,da schwoll die Flut so hoch,daß sie ihm an die Achsel schlug. Da sprach Thor:

1.
Wachse nicht,Wimur,
da ich dich durchwaten muß
nach der Riesen Reich.
Wisse nur,wenn du wächst,
so wächst mir Asenkraft
wie der Himmel,so hoch!

Beim Riesen Geirröd saß Thor in der Gasthalle auf einem Stuhl: Da merkte er,wie der Stuhl unter ihm aufstieg gegen das Dach. Er stemmte seinen Stab mit aller Kraft gegen das Dachgebälk und legte sich schwer in den Stuhl hineln. Da hörte man ein lautes Krachen und darauf ein Geschrei,unter dem Stuhl waren die zwei Töchter des Riesen,Gjalp und Greip,gewesen; denen hatte Thor das Rückgrat gebrochen.
Darüber sprach Thor später einmal:

2.
Einmal brauchte
ich all meine Kraft
in der Riesen Reich,
als Gjalp und Greip,
Geirröds Töchter,
mich himmelan heben wollten.

B. Die Strophe der Thökk:
Als der Gott Balder durch Lokis Schuld tot war,sandten die Asen Boten über die ganze Erde,man möge Balder aus der Hel weinen: Alle taten so und weinten,Menschen und Tiere,die Erde und die Sonne und die Bäume und jegliches Erz. Zuletzt fanden die Sendboten in einer Höhle eine Riesin,die nannte sich Thökk; die baten sie,Balder aus der Hel zu weinen. Sie antwortete:

Mit trocknen Tränen
wird Thökk beweinen,
daß man Balder verbrannt;
nicht lebend noch tot
tat mir Liebes der Mann:
halte Hel,was sie hat.

Man glaubt aber,dies sei Loki gewesen,er,der soviel Unheil unter den Asen gestiftet hat.

C. Gna und die Wanen
Die Göttin Frigg hat eine Dienerin namens Gna,die schickt sie auf Botschaft in diese und jene Welten. Gna hat ein Roß,das läuft durch die Luft und übers Meer,es heißt Hufwerfer. Einmal geschah es,als sie ritt,da sah sie einige Wanen,in der Luft droben. Da sprach einer von ihnen:

1.
Was fliegt da?
Was flitzt da
und eilt leicht durch die Luft

Gn antwortete:

2.
Nicht flieg ich,
doch flitz ich
und eilt leicht durch die Luft?
auf Hufwerfer,
den Haarstruppig
zeugte mit Zaunspringe.

D. Njörd und Skadi
Der Gott Njörd aus dem Wanengeschlecht,hat seine Wohnung an der See,in Noatun. Er lenkt die Winde und stillt Meer und Feuer,er schützt Seefahrt und Fischfang; reichbegütet ist er und schenkt Reichtum denen,die ihn anrufen.Die Götter gaben ihm zum Weibe Skadi,die ist eines Bergriesen Tochter und läuft Ski im Gebirge und jagt Wild mit dem Bogen. Sie wollte da wohnen,wo ihr Vater gewohnt hatte,auf den Bergen droben. Njörd aber wollte an der See leben.Da einigten sie sich,sie wollten neun Tage im Gebirge und die nächsten neun in Noatun. Aber als sie in Noatun zurück waren, da sprach Njörd:

1.
Leid sind mir die Berge;
nicht lange war ich dort,
neun Nächte nur:
schöner schien mir
der Schwäne Sang
als der Wölfe Wutgeheul.

Da sprach Skadi dies:

2.
Nicht schlafen kann ich
vor dem Schreien der Vögel
an der Brandung Bett:
jeden Morgen,
wenn sie vom Meer kommt,
weckt die Möwe mich.

E. Schutzgeister und Götterwalstatt

Die Nornen

1.
Sage mir, Fafnir,
da man erfahren dich nennt
und bewandert gar wohl:
welche Nornen kommen
bei Kindesnöten,
und lösen die Leibesfrucht?

2.
Nicht einer Abkunft
sind alle die Nornen,
sie sind verschiedenen Geschlechts:
die stammen von Asen,
die stammen von Alben,
doch die von Dwalin ab

Die Götterwalstatt

3.
Sage mir, Fafnir,
da man erfahren dich nennt
und bewandert gar wohl:
wie heißt das Eiland,
wo die Asen den Schwerttau
zusamen mit Surt mischen?

4.
Oskopnir heißt es:
es sollen alle dort,
die Götter, Gere schwingen;
Bilfröst bricht,
wenn über die Brücke sie ziehen,
es schwimmen die Schlachtrosse.

Anmerkungen:
Die Gesätze unter A - D gehören zu Prosaberichten in Snorris Skaldenlehrbuch. A 1 muß alt sein, da eine Skaldenstrophe des 10. Jahrhunderts sie umschreibt. B Tökk ist das Wort für >Dank<, der Name ist mit tief empfundenen Spott gewählt. Z. 5 der Mann: im Urtext >des Alten Sohn<, eine Spitze gegen Odin. D Noatun ist ein nordischer Name und bedeutet >Nachenzäune<, Schiffsgehöft. E Die Stophen 1 - 4 haben wir als Einschiebsel in dem Lied vom Drachenhort von Str. 19 (Nr. 38). Sie sind schwerlich erst für diese Stelle gedichtet worden, nur den Namen Fafnir, 1 (4) 3 (1) hat den Einschalter angebracht. 1 (4 -) Diese >Nornen< gleichem mehr hilfreichen Elbinnen als den erhabenen Schicksalsfrauen. Auch gibt man den Nornen sonst riesische Abkunft, s. Nr. 1 Str. 8. 2 (6) Dwalin vertritt die Zwerge. 3 Schwerttau = Blau.

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