410 Der Zorn des Alarich. Überfall am Tiber; aus dem Magazin "Geschichte"

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410 Der Zorn des Alarich. Überfall am Tiber; aus dem Magazin "Geschichte"

Beitrag  Magiccircle am Mo Mai 21, 2012 9:36 pm

Im August 410 n. Chr. erobert Gotenkönig Alarich das Zentrum der Welt. Der Sturmn auf rom macht ihn zum Symbol für Gutes und Böses.

Die Stimme stockt mir und vor Schluchzen kann ich nicht weiterdiktieren<, bekennt der Kirchenvater Hieronymus in Bethlehem. >Die Stadt Rom ist eingenommen,die die ganze Welt besiegt hat.<
Dabei hat Alarich,ihr Eroberer,lange versucht,sich mit dem Imperium zu arrangieren. Die Plünderung vom 24. August 410 n. Chr. ist eher Reaktion als Angriff. Dennoch ist die antike Welt schockiert.
>Niederlage,Brand,Raub,Martern. Vieles haben wir gehört<, klagt Bischof Augustinus in Nordafrika.
Der Fall Roms wird zum Jahrhundertereignis,der Gotenkönig Alarich zum Symbol - für eine Zeitenwende,teutonisches Wüten und germanisches Heldentum.
Bis die Goten einfallen, ist Roma aeterna,die Ewige Stadt,fast 800 Jahre nicht erobert worden. Auch nicht,seit germanische "Barbaren" vor den Hunnen fliehen und auf römisches Gebiet drängen.
Mit Alarichs Beutezug macht sich bei Zeitgenossen Angst vor der Völkerwanderung breit. Geht Rom unter? Alarichs Ziel ist das nicht. Der Westgote aus dem Donaugebiet (geboren um 370 n. Chr.) will kein Feind sein. Lieber will der arianische Christ römisches Land besiedeln,als Verbündeter. Doch obwohl er es als erster Germanenherrscher zum Befehlshaber in Roms Armee bringt,enttäuscht ihn die Weltmacht. Im imperialen Bruderzwist nach 395 n. Chr. reibt sich Alarich auf; weder sein Kampf für Ostrom (er plündert Norditalien und belagert 401 n. Chr. die Residenz Mailand, woraufhin der Kaiser nach Ravenna flieht und Verstärkung aus Britannien anfordert),noch ein taktischer Wechsel auf weströmischer Seite führen zum Ziel. Als sein einziger verlässlicher Partner,der weströmische Heermeister Stilicho,auf Kaiserbefehl ermordet wird (408 n. Chr.),gerät Alarich unter Zugzwang.
Mit 30000 Kriegern zieht er nach Rom,fordert Sold und Land. Als seine Diplomatle scheitert, entlädt sich im August 410 n. Chr. der Druck.Die Germanen plündern und schänden drei Teage lang,aber sie verschonen Kirchen,schützen Reliquien. Deshalb fällt das durch christliche Quellen geprägte Urteil über den Einfall lange milde aus. Augustinus spricht von einer Prüfung Gottes für die Stadt,die mit Alarich noch glimpflich davon gekommen sei. Aufklärer des 18. Jahrhunderts feiern den Goten als edlen Kämpfer für Germanenrechte. Die Nationalsozialisten verehren ihn,französische Historiker sehen in Alarich den Prototyp des wütenden Teutonen.
Der Eroberer selbst überlebt den Fall Roms nicht lange. Er stirbt auf dem Weg nach Afrika,wo er endlich Siedlungsraum finden wollte. Begraben wird Alarich im Flußbett des Busento in Süditalien - so sagt die Legende über den Vorboten der germanischen Zeitenwende. Romantisch verklärt dichtete August Graf von Platen (geb.1796, gest. 1835):>Und es sang ein Chor von Männern: Schlaf in deinen Heldenehren! Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!<

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