23. Die Geizhalsstrophen aus der Edda von Felix Genzmer

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23. Die Geizhalsstrophen aus der Edda von Felix Genzmer

Beitrag  Magiccircle am Mi Dez 19, 2012 8:20 pm

Auch diese spaßhaften sind noch Ausläufer der Sprichwortdichtung. Das erste Gesätz knüpft an einen erzählenden Eingang eine lebhafte Folgerung; die übrigen sind Anekdoten in epigrammhafter Zuspitzung und beleuchten das komische Gebaren ängstlicher Geizhälse. Eine gelungene Prosageschichte, halb Märchen, halb bäuerlicher Schwank erzählt in behaglicher Breite den Hergang. Es folgt hier nur, was zum Verständnis der Strophen nötig ist

Gatti, ein sagenhafter König verirrt sich im Walde zu einer geizigen Bauernfamilie. Am Morgen beim Abschied bittet er Bauer Borkennager um neue Schuhe. Der Bauer gibt sie unter Schmerzen her - aber wenigstens die Riemen will er behalten.
Da spricht der König:

Aus beiden Schuhn,
die Borkennager gab,
riß er die Riemen los:
von geizigem Mann
wird eine Gabe man nie
empfangen ohne Fehl.

Bauer Borkennager findet seine Habe durch des Königs Besuch arg angegriffen; er teilt das Erbe unter seine drei Söhne und Töchter und stürzt sich mit Weib und Knecht von dem Sippenstein, wie dies schon seine Vorfahren taten, wenn Mangel oder Mißgeschick sie bedrängte.
Die drei Brüder und Schwestern wollen um jeden Preis Familienzuwachs verhüten und stecken sich nachts Wollenzeug um. Aber Klüglein, die von König Gauti in Hoffnung ist, deckt ihre Wange bloß, und ihr Bruder Gilling kommt mit der Hand daran. Als nun der Knabe Gautrek ans Licht kommt, spricht Gilling:

Greulich dumm,
daß ich da griff mit der Hand,
kam an die Wange dem Weib!
Ein Brösamlein braucht's
für solchen Buben nur:
so bekam Klüglein das Kind!

Der zweite Bruder, Greinmöve, geht immer mit seinem Erbe, den Goldbarren, herum; einmal aber, wie er vom Schlaf erwacht, sieht er zwei schwarze Schnecken auf dem Gold kriechen. Da spricht er:

Breite Schnecken
fraßen die Barren mir;
übel uns alles will.
Hungrig muss ich schnappen,
weil die Schnecken mir
ganz zergruben mein Gold.

Und dann stürzt er sich mit seiner Schwester Hoppsliese vom Sippenstein. Der ditte Bruder, Staubigel,hatte den Acker geerbt, und nun sieht er eines Tages, wie ein Spatz aus einer Ähre ein Korn davonträgt. Da spricht er:

Das ist stark,
daß auf Staubigels Feld
hier speiste ein Spatz!
Zerstört ist die Ähre,
gestohlen das Korn;
drum trauert stets mein Stamm.

Und dann stürzt er sich mit seiner Schwester Faseltrine vom Sippenstein.
Als Klein- Gautrek sieben Jahre alt ist, sticht er mit einem Speer den schönen Stier, das Erbe Gillings, zu Tode. Da spricht Gilling:

Der junge Bursch
mir den Bullen erschoß;
das ist todbringende Tat:
nie gewinn ich wieder,
werd ich auch alt,
ein so köstliches Kleinod.

Dann stürzt er sich vom Sippenstein. Klüglein aber bringt ihren Sohn zu seinem Vater, König Gauti.

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